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<title>Silberstift</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Silberstift</span></h1>
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<p>Der <b>Silberstift</b> ist ein Zeichenstift mit einer Spitze aus <a href="Silber" title="Silber">Silber</a>, der ähnlich wie später der <a href="Bleistift" title="Bleistift">Bleistift</a> verwendet wurde. Im 15. Jahrhundert war die Blütezeit der <b>Silberstiftzeichnung</b>. Bis heute wird der Silberstift vereinzelt von Künstlern benutzt, in den meisten Fällen jedoch durch den Bleistift ersetzt. Ein Silberstift ist unzerbrechlich und muss kaum nachgespitzt werden. Verwendet werden kann er im Unterschied zum Bleistift nur auf grundiertem Papier, Pergament oder für die <a href="Unterzeichnung" title="Unterzeichnung">Unterzeichnung</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Der Silberstift war bereits unter den Metallstiften in der römischen Antike bekannt und das ganze Mittelalter hindurch verbreitetes Zeichenmittel. <a href="Cennino_Cennini" title="Cennino Cennini">Cennino Cennini</a> erwähnte um 1400 den Silberstift in seinem Traktat. Der Stift entwickelte sich mit der ausgehenden Gotik und dem Beginn der Frührenaissance zu dem eigentlichen Mittel der autonomen Zeichnung, mit der die Zeichnung selbst zum Kunstwerk wurde und nicht mehr Hilfsmittel und Vorstufe zum eigentlichen Werk war. Ihren Höhepunkt erlebte die Technik in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. <a href="Jan_van_Eyck" title="Jan van Eyck">Jan van Eyck</a>, <a href="Leonardo_da_Vinci" title="Leonardo da Vinci">Leonardo da Vinci</a>, <a href="Hans_Holbein_der_J%C3%BCngere" title="Hans Holbein der Jüngere">Hans Holbein</a>, <a href="Albrecht_D%C3%BCrer" title="Albrecht Dürer">Albrecht Dürer</a>, <a href="Hans_Baldung" title="Hans Baldung">Hans Baldung</a> und andere haben den Silberstift häufig verwendet. Nach 1500 tauchen nur noch vereinzelt Werke in dieser Technik auf. Im 19. Jahrhundert wurde der Stift im Zuge der <a href="Romantik" title="Romantik">Romantik</a> vorrangig für Bildwerke wiederentdeckt. Im 20. Jahrhundert regte <a href="Joseph_Meder" title="Joseph Meder">Joseph Meder</a> 1909 mit dem <i>Büchlein vom Silbersteft</i> die Künstler dazu an, sich wieder mit dem Silberstift zu beschäftigen. Beispiele dafür sind <a href="Otto_Dix" title="Otto Dix">Otto Dix</a> und <a href="Franz_Lenk" title="Franz Lenk">Franz Lenk</a>.
</p><p>Alte Silberstifte bestehen meistens aus einem massiven Metallgriffel aus Kupfer oder Bronze, auf den eine kurze runde Silberspitze <a href="L%C3%B6ten" title="Löten">aufgelötet</a> ist. Sie sind häufig reich verziert und tragen eine Öse am Ende zur Befestigung einer Schnur, damit der wertvolle Stift nicht so leicht verloren geht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verfahren">Verfahren</h2></div>
<p>Die Spitze von Silberstiften ist leicht abgerundet, damit sie die Zeichenunterlage nicht zerkratzt. Der Untergrund muss leicht rau sein und fetthaltige Gleitmittel enthalten,<sup id="cite_ref-Wehlte_303_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Wehlte_303-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> damit sich das Silber vom Stift abreibt. Eine Zeichnung besteht nur aus dünnen, hellgrauen Linien, die im Laufe der Zeit zu einem bräunlichen Farbton durch die Bildung von <a href="Silbersulfid" title="Silbersulfid">Silbersulfid</a> nachdunkeln. Dieses Nachdunkeln wird durch einen <a href="Schwefel" title="Schwefel">schwefelhaltigen</a> Zeichengrund unterstützt. Silbersulfid ist schwarz, erscheint aber bei der geringen Auftragsmenge eher bräunlich.
</p><p>Als Zeichenunterlage wurde mit <a href="Bims" title="Bims">Bims</a> angerauhtes und mit Knochenmehl eingeriebenes <a href="Pergament" title="Pergament">Pergament</a> oder nass grundiertes Papier verwendet. Die Grundierung bestand dabei aus Gips oder Kreide und Leimwasser, bei manchen Rezepten auch Eidotter. Gips und Eidotter enthalten Schwefel, der für eine bessere und schnellere Dunkelfärbung sorgt, als dies nur an Luft möglich wäre. Heute wird als Untergrund ein Anstrich mit <a href="Lithopone" title="Lithopone">Lithopone</a> und Kunstharzdispersionsbinder empfohlen.<sup id="cite_ref-Wehlte_303_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Wehlte_303-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das in der Lithopone enthaltene <a href="Zinksulfid" title="Zinksulfid">Zinksulfid</a> enthält in diesem Fall den Schwefel. Alternativ kann eine Mischung aus Grundierweiß, Kunstharzdispersionsbinder und Wasser verwendet werden.
</p><p><a href="Kurt_Wehlte" title="Kurt Wehlte">Kurt Wehlte</a> erwähnt in seinem Buch <i>Werkstoffe und Techniken der Malerei</i> (1967) drei Rezepte für Silberstiftgrundierungen. Präpariertes Silberstiftpapier ist im Handel erhältlich.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zeichentechnik">Zeichentechnik</h2></div>
<p>Die Schraffurtechnik ist die geeignetste Technik für den Silberstift. Eine Flächenfüllung ist durch <a href="Schraffur" title="Schraffur">Schraffuren</a> möglich, ähnlich wie bei <a href="Kupferstich" title="Kupferstich">Kupferstichen</a> und <a href="Radierung" title="Radierung">Radierungen</a>. Flächensetzungen sind möglich, wenn die Spitze an einem Abziehstein abgeflacht wurde. Ein einmal gesetzter, feingrauer Strich lässt sich nur bedingt bei einigen Untergründen mit einem <a href="Radiergummi" title="Radiergummi">Radiergummi</a> entfernen. Zur vollständigen Entfernung muss der Streichgrund mit einem feinen Cutter abgehoben oder mit neuem Streichgrund übermalt werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Liste_von_Schreibger%C3%A4teherstellern" title="Liste von Schreibgeräteherstellern">Liste von Schreibgeräteherstellern</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Joseph_Meder" title="Joseph Meder">Joseph Meder</a>: <i>Die Handzeichnung.</i> Anton Schroll, Wien 1923 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/meder1923/0011/image,info">Digitalisat</a>).</li>
<li>Joseph Meder: <i>Das Büchlein vom Silbersteft.</i> Gerlach & Wiedling, Wien 1909; Nachdruck: <i>Das Büchlein vom Silberstift. Überarbeitet für den heutigen Gebrauch von Aline Ehrhardt.</i> (Historische Texte zur Kunst) Cenninas, Freiburg im Breisgau 2015, ISBN 978-3-946089-01-8 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://opus4.kobv.de/opus4-udk/frontdoor/index/index/year/2016/docId/1020">Digitalisat</a>).</li>
<li><a href="Kurt_Wehlte" title="Kurt Wehlte">Kurt Wehlte</a>: <i>Werkstoffe und Techniken der Malerei</i>. 3. Auflage. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1977, ISBN 3-473-61157-3.</li>
<li><a href="Walter_Koschatzky" title="Walter Koschatzky">Walter Koschatzky</a>: <i>Die Kunst der Zeichnung</i>. Residenz, Salzburg 1977, ISBN 3-7017-0172-5.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Silverpoint_drawings?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Silberstiftzeichnungen</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.emrath.de/mmbei_g.htm">Detailaufnahme einer Silberstiftzeichnung, Vergleich mit anderen Zeichentechniken</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.silberstift.de/"><i>Silberstift.</i></a> silberstift.de</li>
<li>Ina Reiche, Silke Merchel, Martin Radtke: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ndt.net/article/dgzfp/pdf/zfp96-reiche.pdf"><i>Auf den Spuren Albrecht Dürers – Zerstörungsfreie Spurenanalyse mit ortsaufgelöster Synchrotronstrahlungs-induzierter Röntgenfluoreszenzanalyse.</i></a> In: <i>ZfP-Zeitung</i>, 96, Oktober 2005</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Wehlte_303-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Wehlte_303_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Wehlte_303_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Kurt Wehlte: <i>Werkstoffe und Techniken der Malerei.</i> Christophorus Verlag, Freiburg 2009, S. 303</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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